Strategien solidarischer Aktionen für ein Ende des Krieges im Sudan: Veranstaltungsbericht
Am 8. Dezember 2025 lud der Bund für Soziale Verteidigung im Rahmen der Reihe „Strategien des Wandels“ zu einer Veranstaltung über solidarische Handlungsansätze zur Beendigung des Krieges im Sudan ein. Zu Gast war die Bana Group for Peace and Development, eine feministische, zivilgesellschaftliche Organisation sudanesischer Aktivistinnen.
In der Einführung beleuchteten die Aktivistinnen von Bana, die sich aus Sudan, Uganda und Berlin zuschalteten, den aktuellen Kontext des Krieges im Sudan, der international weiterhin als „vernachlässigter Konflikt“ gilt – trotz wachsender Aufmerksamkeit seit dem Massaker von El Fasher im Oktober. Deutlich wurde, dass es sich nicht um einen klassischen Bürgerkrieg handelt, sondern um einen „schmutzigen Krieg“, der von internationalen Interessen geprägt ist. Die Rolle der RSF-Miliz wurde dabei kritisch eingeordnet, insbesondere ihre frühere politische Legitimierung sowie ihre Einbindung in europäische Migrationsabwehrpolitik. Aber auch das Militär, gegen dessen langjährige Diktatur 2018/2019 eine gewaltfreie Revolution stattfand wurde kritisch beleuchtet.
Die Bana Group stellte ihre Arbeit vor: Gegründet 2017 von Aktivist*innen aus verschiedenen Regionen Sudans, war Bana während der Revolution aktiv und setzte sich in der Übergangsphase für die Einbeziehung marginalisierter Stimmen ein. Seit Ausbruch des Krieges mussten viele Mitglieder fliehen; heute arbeitet Bana unter anderem in Uganda, Ägypten und auch in Deutschland (seit Kurzem auch als Bana e. V.). Der Ansatz der Organisation ist ausdrücklich intersektional-feministisch, mit besonderem Fokus auf mehrfach marginalisierte Frauen.

Zentrale Arbeitsfelder sind derzeit psychosoziale Unterstützung, Trainings- und Bildungsarbeit, Advocacy sowie Nothilfe. Der Bedarf an psychosozialer Begleitung ist seit Kriegsbeginn enorm – sowohl im Sudan als auch im Exil. Bana schafft Schutzräume und arbeitet dabei auch mit Kindern. In der Nothilfe konnten durch Spenden hunderte Familien evakuiert werden – manche von ihnen sogar mehrfach – und unter anderem Straßenküchen sowie Versorgungspakete mit Medikamenten und Hygieneartikeln unterstützt werden.
Auf internationaler Ebene engagiert sich Bana in der Advocacy-Arbeit bei den Vereinten Nationen, der EU sowie durch öffentliche Aktivitäten für mehr Sichtbarkeit des Konflikts. Im November 2024 veröffentlichte die Gruppe den Dokumentarfilm „Forgotten Voices“, der das Leben der Zivilbevölkerung sichtbar macht. Gleichzeitig wurde auf die massiven Einschränkungen durch fehlende und gekürzte Fördermittel hingewiesen. Vernetzung – etwa über zivilgesellschaftliche Träger wie KURVE Wustrow im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes oder feministische Förderstrukturen – ist daher von zentraler Bedeutung.

In der anschließenden Diskussion ging es um strategische Ansatzpunkte für den Aufbau einer stärkeren internationalen Solidaritätsbewegung. Genannt wurden unter anderem langfristige Kampagnen, bessere Anbindung an Journalist*innen und Zivilgesellschaft sowie die Notwendigkeit, Prioritäten zu setzen, um Überlastung zu vermeiden. Thematisiert wurde auch die Spaltung innerhalb der sudanesischen Zivilgesellschaft entlang der Konflikt-Lager. Bana betonte ihre bewusste Neutralität gegenüber den Konfliktparteien und ihre Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort als Grundlage ihrer Glaubwürdigkeit.
Aus dem Publikum kam die Frage nach konkreten Unterstützungs- und Beteiligungsmöglichkeiten. Genannt wurden unter anderem die Mitarbeit im neu gegründeten Bana e. V. in Deutschland, Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit und im Fundraising, Kapazitätsaufbau für Frauen sowie die Organisation von Veranstaltungen und Filmvorführungen. Als weitere Ideen für solidarisches Engagement wurden Mobilisierungskampagnen, Solidaritätsveranstaltungen und der Aufbau breiter Unterstützungsnetzwerke diskutiert.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie dringend internationale Solidarität, Aufmerksamkeit und nachhaltige Unterstützung für die Zivilbevölkerung im Sudan benötigt werden und welche Rolle zivilgesellschaftliche und Bewegungsakteure, aber auch Indivdiuen dabei spielen können.