„People’s Conference“ Sudanesische Stimmen ins Zentrum


v.l.n.r.: Ilaaf Khalfalla (Bana), Basma Mustafa (Law and Democracy Support Foundation), Mona Khogali (My Body Belongs to Me), Magda Elsayed (Bana), Lubna Abdalla; (Foto: Peter Steudtner)
Am 11. April 2026 versammelte die neu gegründete deutsche Sektion von Bana, einem sudanesischen intersektional-feministischen Netzwerk und Partnerorganisation vom Bund für Soziale Verteidigung, weit über 100 Gäste zu einer Konferenz – nur wenige Tage vor dem staatlich organisierten Sudan-Gipfel in Berlin am 15. April und drei Jahre nach Beginn des aktuellen Krieges im Sudan. Die Konferenz brachte Aktivist*innen, Forscher*innen und Interessierte zusammen, um die Perspektiven der sudanesischen Zivilbevölkerung in den Vordergrund zu rücken.
„Mit ‚Centering Sudanese Voices‘ möchte Bana ihre Forderung unterstreichen, dass
Zivilist*innen – insbesondere Frauen und Menschen aus den marginalisierten Gebieten, die am stärksten vom Krieg betroffen sind – im Mittelpunkt aller Bemühungen und Entscheidungsprozesse stehen müssen, um den Konflikt zu beenden und dauerhaften Frieden zu schaffen. Darüber hinaus fordert Bana dringend, den Konflikt auf verschiedenen Ebenen anzugehen, da humanitäre Hilfe allein den Krieg nicht beenden kann. Um einen dauerhaften Frieden zu erreichen, müssen zudem der Waffenfluss kontrolliert und Sanktionen gegen die Verantwortlichen verhängt werden, der
Handel mit Rohstoffen, die von den Konfliktparteien gefördert werden, unterbunden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Mai Shatta, Initiatorin von Bana.
Kritik an den internationalen Reaktionen auf den Krieg im Sudan
Die Teilnehmenden äußerten heftige Kritik am Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem Sudan. Zwar wurden beim diesjährigen staatlich organisierten Sudan-Gipfel erstmals einige zivile Vertreter*innen eingeladen, doch scheint es bei ihrer Auswahl an Perspektiven-Diversität zu fehlen – insbesondere von marginalisierten Gruppen und der
gesellschaftlichen Basis.(…)
Darüber hinaus besteht eine Zurückhaltung, den Konflikt im Sudan auf politischer Ebene anzugehen. Stattdessen wird vor allem im Rahmen entpolitisierter humanitärer Maßnahmen reagiert, die die Ursachen und Auslöser des Konflikts nicht adressieren.
Konflikt, Macht und Militarismus neu denken
Die aktuell in Uganda ansässige Bana-Direktorin Ekram Hamza sprach online darüber, wie wichtig es sei, dass die Welt die sudanesischen Stimmen höre. Sie sagte, dass vor genau sieben Jahren, im Jahr 2019, die Revolution den Diktator Omar al-Bashir gestürzt habe, wobei Frauen an vorderster Front standen. „Heute werden Frauen erneut zurückgelassen und tragen die Haupt-Last dieses Krieges“, sagte sie. In den Diskussionen auf der Konferenz wurden die tiefer liegenden strukturellen Ursachen der Gewalt im Sudan beleuchtet, darunter Militarismus, Patriarchat und koloniale Hinterlassenschaften, die bis heute einen starken Einfluss auf die Verteilung des Reichtums und inter-ethnische Spannungen haben.
In sechs Workshops und auf dem abendlichen Podium wurden geschlechtsspezifische, machtkritische und systemische Analysen des Konflikts diskutiert, darunter die Geschichte des Landes, (De-)Militarisierung, Waffenhandel, sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt, transnationale Repression, der Schutz der Zivilbevölkerung sowie Graswurzel-Organisierung.
(…) Basisinitiativen wie Nachbarschaftskomitees und die daraus entstandenen Notfallzentren (Emergency Response Rooms, ERRs) wurden als unverzichtbare Lebensadern anerkannt, die die Zivilbevölkerung inmitten des Staatszerfalls am Leben erhielten. „Wenn diese Gruppen sich jedoch weigern, die Konfliktparteien zu legitimieren oder mit ihnen zu verhandeln, werden sie von internationalen Akteuren oft als ‚Spoiler‘ abgetan“, sagt Magda El-Sayed von Bana.
(…) Ilaaf Khalfalla von Bana stellte zudem eine Verbindung zwischen dem sudanesischen Kampf und breiteren antikolonialen und Antikriegsbewegungen her und hob globale Ungleichheiten sowie die Widersprüche der internationalen Politik hervor.
Podiumsreferent*in Lubna Abdalla ermutigte das Publikum: „Nutzt eure Privilegien! Und nehmt das, worin ihr investiert seid, als Ausgangspunkt, um aktiv zu werden.“
[Auszüge (im ersten Absatz leicht angepasst) aus der Pressemitteilung von Bana, die untenstehend vollständig gelesen werden kann]