Belarus

Мая хата з краю („Meine Bude steht abseits“ – „Geht mich nichts an“)

Dieses Sprichwort drückt eine in Belarus weitverbreitete Philosophie der Apathie gegenüber kulturellen und sozialen Zuständen aus, die einen nicht persönlich betreffen. Seit 1994 wird „die letzte Diktatur Europas“ von Alexander Lukaschenko regiert und weist seitdem eine Reihe von Menschenrechtsverstößen und Repressionen gegen die Bevölkerung vor. Wenn es um Belarus geht, steht hier im Westen unser sprichwörtliches Haus auch abseits – selten ist das Land im Rampenlicht und für viele stellt es einen blinden Fleck im politischen Bewusstsein dar.

Seit 2005 unterstützt der BSV Bürger*Innenrechtsarbeit und Bildungsarbeit gegen Gewalt in Belarus. Dabei geht es dem BSV darum, gewaltfreie Gruppen von Ehrenamtlichen in ihren Initiativen und ihrer Selbstorganisation zu unterstützen. Denn trotz des einleitenden Sprichworts gibt es natürlich auch in Belarus Menschen, die sich für eine friedliche Demokratisierung einsetzen. Wir sind daher stolz auf die Zusammenarbeit mit dem belarussischen Menschenrechtsnetzwerk „Nash Dom“ (Unser Haus). Auf den folgenden Seiten gibt es weitere Informationen zu Belarus, Nash Dom und der Arbeit des BSV zu diesem Thema.

Unser Haus“ (bela)russisch: Nash Dom) ist ein Menschenrechtsnetzwerk in Belarus. Es begann mit einer von Olga Karatch gegründeten Initiative in Vitebsk; heute hat Nash Dom Gruppen in mehr als 15 Städten und Gemeinden in Belarus. Nash Dom setzt sich für die Interessen der Bürger*innen in Belarus ein und fördert zivilgesellschaftliche Initiative und Aktivitäten. Viele Aktivist*innen haben eine jahrelange Erfahrung, sich selbst zu vertreten und für ihre Rechte zu kämpfen und andere dabei zu unterstützen. Zu den Projekten von Nash Dom gehört die Arbeit mit Gemeinde- und Stadträten, um sie durch öffentliche Kampagnen (mit Erfolg!) zur Rechenschaftslegung gegenüber den Bürger*innen aufzufordern (z.B. offen zu legen, wofür öffentliche Mittel ausgegeben werden). Sie unterstützen Aktivist*innen, wenn sie Opfer von Repression werden – Misshandlungen bei Festnahmen, Wegnehmen von Kindern. Und sie engagieren sich in ganz alltäglichen Anliegen wie die Instandhaltung von Hausfluren oder Einrichtung von Bushaltestellen. Hier geht es zu mehr Informationen über die Arbeit von "Unser Haus".

Nash Dom hat eine russische Internetseite. Zur englischen Seite geht es hier; eine deutsche ist in der Entwicklung.

Nash Dom gibt mit dem BSV in unregelmäßigen Abständen Newsletter heraus. Sie können hier gelesen werden.

Seit 2018 gibt es zur Unterstützungsarbeit von "Unser Haus" eine Arbeitsgruppe im BSV.

 

 

Jetzt: Spenden für Belarus

17.08.2020
Proteste am 30. August 2020. Minsk, Belarus (Weißrussland)
"Die Ereignisse in Belarus lassen uns nicht kalt. Seit 15 Jahren unterstützt der BSV die Menschenrechtsverteidiger von Unser Haus in Belarus. Wir können und wollen nicht untätig bleiben, während unsere Freund*innen bedroht, verhaftet und gefoltert werden." Der Erfolg der Revolution ist noch nicht sicher! Am gestrigen Sonntag hat die Opposition in Belarus einen gewaltigen Sieg davon getragen. Eine halbe Million Belaruss*innen demonstrierte friedlich gegen Polizeigewalt und Wahlbetrug, etwa hundertmal mehr Menschen als Lukaschenko für seine eigene “Massenveranstaltung” am morgen mobilisieren...Weiterlesen

Friedenspreis an Olga Karatch von "Unser Haus"

07.10.2019
Preisträgerin Olga Karatch
Olga Karatch aus Weißrussland, mit der wir seit vielen Jahren zusammenarbeiten, erhielt die Auszeichnung Friedensarbeiterin an der Basis. Die Politikwissenschaftlerin gilt als das Gesicht und die treibende Kraft des Menschen- und Bürgerrechtsnetzwerks „Nash Dom“, das die damals 26-Jährige Ende 2005 gründete und dem derzeit landesweit rund 20 Gruppen angehören. Die Laudatio für Olga hielt Ute Finckh-Krämer. Sie kann hier unten heruntergeladen werden. Unser Glückwunsch geht natürlich auch an die beiden anderen Preisträger*innen: Als Friedensbotschafterin im öffentlichen Leben wurde Vilma Nuñez...Weiterlesen