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31. März 2026, , ,

Bana plant Konferenz „Sudanesische Stimmen ins Zentrum“ zum Jahrestag des Kriegsbeginns

Der BSV kooperiert mit sudanesischer feministischer Organisation

Julia Kramer

Am 15. April 2026 jährt sich der Beginn des Kriegs im Sudan zum dritten Mal. In Berlin, wo vor über 140 Jahren Kolonialmächte über Staatsgrenzen und Kolonialausbeutung in Afrika entschieden, und damit eine neue Phase unfassbaren Leids auf dem Kontinent verursachten, findet am 15. April eine Ministerialkonferenz zum Sudan statt. Gastgeberin ist die Bundesregierung zusammen mit der EU, UK, USA und der Afrikanischen Union – aber auch aktuell aktiv in den Krieg verwickelte Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und Ägypten werden bei der Konferenz vertreten sein. Unter den Konferenzteilnehmenden befinden sich daher zahlreiche Länder, die durch die Unterstützung einer oder in einigen Fällen sogar beider Seiten zum Konflikt beigetragen haben. Obwohl der Krieg im Sudan die schwerste humanitäre Krise der Welt ausgelöst hat, wird er international weitgehend ignoriert. So trägt die internationale Involvierung wie z.B. der Gold-Handel der RSF1 mit den VAE im Tausch mit Waffen durchaus wiederum neokoloniale Züge.

In der Vergangenheit haben „Geberkonferenzen“ sich mit Versprechen humanitärer Hilfe beschäftigt – die jedoch dann später oftmals nicht eingehalten wurden. Neben einem „humanitarian track“ soll die Konferenz auch einen politischen und einen zivilgesellschaftlichen Fokus bekommen – ja es soll sogar wieder um die Möglichkeit einer Zivilregierung im Sudan gehen. Bevor die Menschen im Sudan die Militärdiktatur Bashirs in der Dezember-Revolution 2019 stürzten, wurde dies von der Bundesregierung und anderen westlichen Regierungen skeptisch betrachtet. Und auch wenn der Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces einmal mehr die desaströsen Auswirkungen von Militarisierung und Waffenhandel zeigt, macht es doch neugierig, wie sich die internationale Staatengemeinschaft aktuell eine Entmachtung dieser Kräfte zugunsten einer stabilen demokratischen Regierung vorstellt. Dabei ist eine Gefahr, dass die revolutionären basisdemokratischen Organisierungsformen und -foren außen vor bleiben und damit wieder eine wenig visionäre und vermutlich wenig stabile von Eliten geprägte Parteiendemokratie nach westlichem Vorbild Einzug halten würde.

Am 11. April, wenige Tage vor der offiziellen Staatenkonferenz zum Sudan, veranstaltet die BSV- Partnerorganisation Bana Group for Peace and Development in Kooperation mit zahlreichen anderen Organisationen eine Konferenz, um sudanesische Stimmen verschiedener Hintergründe in den Mittelpunkt der politischen Diskussion zu rücken. Sie schreiben:
„Der Krieg im Sudan kann nicht allein auf eine humanitäre Notlage reduziert werden. Es handelt sich um eine politische Krise, die durch Machtkämpfe, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und internationale Interessen geprägt ist. Leidtragende ist die Zivilbevölkerung“: Überlebende der Kriegskämpfe, der ethnisch fokussierten Massaker, des Hungers, der sexualisierten Kriegsgewalt, der Vertreibung, der politischen Verfolgung.
Die Stimmen und Perspektiven dieser Menschen sollen im Mittelpunkt des Tages stehen. Es sollen die Treiber dieses Krieges analysiert werden, darunter die politische Macht des Militärs im Land, die durch jahrzehntelange Straffreiheit gestärkt ist, Dynamiken von Hassrede und gesellschaftlicher Marginalisierung, aber auch die Rolle von Ressourcen und Waffenhandel, und die Interessen internationaler Akteure. Auf dieser Grundlage wird es erst möglich, dekoloniale Strategien von Solidarität gemeinsam zu entwickeln.

Bana schreibt: „Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass diejenigen, die die Last dieses Krieges tragen, nicht nur symbolisch eingeladen werden, sondern als wesentliche Mitwirkende an politischen Lösungen positioniert sind, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Ziel ist es also, Ansätze dekolonialer Solidarität und den Aufbau von Bewegungen zu entwickeln und zu stärken und gleichzeitig die Bedürfnisse und Forderungen verschiedener, insbesondere derjenigen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sozialen Schicht oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit mehrfach marginalisierter Bevölkerungsgruppen im Sudan einem internationalen Publikum zugänglich zu machen. Indem diese Konferenz internationale Interessen und Verwicklungen im Zusammenhang mit dem Sudan offenlegt, sendet sie ein Signal an den Sudan-Gipfel der Regierung, die Bedürfnisse und Forderungen der sudanesischen Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen. 

Bana und andere Akteur*innen der sudanesischen Zivilgesellschaft verteidigen seit Jahren oder gar Jahrzehnten die Menschenrechte im Sudan gewaltfrei. Wenn wir uns heute mit Sozialer Verteidigung beschäftigen, sind wir gerufen dies in Bezug zu setzen zu denen, die diese in unserer Zeit umsetzen, und dekolonial solidarisch zu handeln. Gerade weil wir im Globalen Norden inhärent Gefahr laufen, dass unsere „Verteidigung“ auch immer eine ist, die unsere Privilegien verteidigen will.

Wer Interesse hat an der englischsprachigen Konferenz „Centering Sudanese Voices“ teilzunehmen, kann hier auf dem Laufenden bleiben:


Veranstaltungsort

Evangelische Akademie
Charlottenstraße 53/54
10117 Berlin

1 Die Rapid Support Forces sind eine paramilitärische Gruppe im Sudan. Bis zum Sturz von Präsident Umar al-Baschir unterstanden sie seinem Kommando und waren danach an der Militärregierung beteiligt. Seit Mitte April 2023 versuchen sie, die Kontrolle im Sudan zu erlangen und greifen an vielen Orten Einrichtungen der sudanesischen Streitkräfte und der Regierung an. Analysten schätzen ihre Stärke auf etwa 70.000 bis 100.000 Kämpfenden.

2 Baba, Mosaab 2025: Sudan: Africa’s Regional Neo-Colonial War. https://www.blackagendareport.com/sudan-africas-regional-neo-colonial-war

Dieser Artikel ist eine leicht aktualisierte Fassung des im Rundbrief 1/2026 erschienen Texts.

Zu den Bildern

„Angriff Khartoum“ Foto aus dem Bana-Film Forgotten Voices

„Grafitti in Khartoum“ Künstler*in unbekannt Foto Julia Kramer

„Protest vor Militärhauptquartier Khartoum während Revolution. Hauptquartier jetzt in Port Sudan“ Foto Julia Kramer