Stiftung "Kraft der Gewaltfreiheit" vor dem Start

Bei einem Arbeitstreffen im Juli 2019.

Das Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung (IFKG) und der Bund für Soziale Verteidigung (BSV) beabsichtigen, noch in diesem Jahr die Stiftung Kraft der Gewaltfreiheit zu gründen. Sie soll helfen, Praxis und Forschung besser miteinander zu verbinden. Über dieses Vorhaben möchten wir hier informieren. An der Satzung und der Besetzung der Stiftungsorgane arbeiten wir derzeit noch. 

Wir – der Bund für Soziale Verteidigung e. V. und das Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung e. V. – sind seit der Gründung 1989 und 1995 stets für Gewaltfreiheit eingetreten, sowohl – wie der BSV – durch Aktion, Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen, Lobbyarbeit und Friedensbildung, als auch – wie das IFGK – durch wissenschaftliche Forschung. Die Kraft der Gewaltfreiheit hat beide Vereine inspiriert und getragen. Sie ermöglichte uns immer wieder, Beiträge zu mehr Gerechtigkeit und Frieden und zur Überwindung von Gewalt und Ohnmacht zu entdecken, zu entwickeln zu fördern und praktisch umzusetzen. .

Damit sind wir nicht alleine. Viele Engagierte, Gruppen und Organisationen weltweit gehen ähnliche Wege. Die Kraft der Gewaltfreiheit gehört zur Menschheit. Das zeigen auch die hohen Erfolgsquoten großer gewaltfreier Kampagnen, mit denen die US-Forscherinnen Erica Chenoweth und Maria Stephan viele Menschen überrascht haben. Praxis und Forschung gehen weiter, sie streben über das Bestehende hinaus.

Seit vielen Jahren hat das IFGK den Gedanken gehegt, eine Stiftung zu gründen. Der BSV hat diese Idee aufgenommen. Seit 2018 haben wir unsere Kräfte gebündelt und nun ist es soweit: Die „Stiftung Kraft der Gewaltfreiheit“ (englischer Name: Foundation Power of Nonviolence) steht kurz vor dem Start. Eine gemeinsame Motivation treibt uns dabei an:

Wir möchten diejenigen besser miteinander vernetzen, die sich der Praxis und der Erforschung der Kraft der Gewaltfreiheit verschrieben haben im Sinne von Mohandas K. Gandhi , Martin Luther King, Hildegard Goss-Mayr und anderer Vertreter und Vertreterinnen gewaltfreier sozialer Bewegungen. Wir möchten eine solidere Basis schaffen, um unabhängig – auch materiell – immer wieder inspirierende „Experimente mit der Wahrheit“ (Gandhi)  wagen zu können, sei es in der Praxis, in der Bildung oder in der Forschung.

Die letzten formalen Schritte zur Gründung sind in Arbeit. Das (notwendige Mindest-) Gründungskapital ist beisammen. Aktuell sprechen wir Menschen an, mit denen wir in den neuen Organen der Stiftung gemeinsam dieses Zukunftsprojekt weiter voranbringen wollen.

Leitend bei der Gründung der Stiftung sind dabei die folgenden Gedanken, die die Präambel der Stiftung Kraft der Gewaltfreiheit bilden:

Gandhi schrieb 1940: „Wir staunen in diesen Tagen immer wieder über die verblüffenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Gewalt. Aber ich behaupte: Noch viel mehr ungeahnte und sogar für unmöglich gehaltene Entdeckungen wird es auf dem Gebiet der Gewaltfreiheit geben.“ (Harijan, 25. 8. 1940) Genau das erleben wir heute.

Die Kraft der Gewaltfreiheit traut allen Menschen Gutes zu. Sie „ist so alt wie die Menschheit“ (Gandhi) und ihr globales Erbe. Sie hat viele Namen: „Strength to love, Stärke zu lieben“ (Martin Luther King), „force de la justice, Kraft der Gerechtigkeit“ (Lanza del Vasto), „firmeza permanente, dauernde Festigkeit“ (Lateinamerika), „Alay Dangal, Würde anbieten“ (Philippinen), „satyagraha, Festhalten an der Wahrheit, Gütekraft“ (Gandhi). 

Sie kann in sozialen und politischen Konflikten eine immense Wirksamkeit entfalten. Sie besser zu verstehen ist das Ziel entsprechender Forschung; sie immer wieder neu anzuwenden und voranzutreiben, ist die Praxis der Aktiven. Das Wissen über sie in der Gesellschaft und in der Politik zu verbreiten und in den entsprechenden Diskursen zu Gehör zu bringen, ist das Ziel von Journalist*innen und Publizierenden. Sie in die Lebenspraxis von immer mehr Menschen hineinzutragen, ist das Ziel von friedenspädagogischen Ansätzen.

Die Stiftung Kraft der Gewaltfreiheit will Ansprechpartnerin für Menschen sein, die sich für aktive Gewaltfreiheit und Frieden einsetzen oder diesen Impuls unterstützen wollen. Besonders wichtig ist ihr, Aktive aus der Praxis mit Forschenden in einen Austausch zu bringen. Kontinuierliche Vernetzung und gegenseitige Inspiration sollen all diejenigen stärken, die oft unter widrigen Bedingungen versuchen, Theorie und Praxis aktiver konstruktiver Gewaltfreiheit voranzubringen.

Dem Arbeitskreis, der die Stiftungsgründung vorantreibt, gehören an:

Outi Arajärvi, Göttingen

Dr. Martin Arnold, Essen

Reinhard Eismann, Stuttgart

Dr. Barbara Müller, Wahlenau

Dr. Christine Schweitzer, Hamburg

 

Bei Interesse oder Rückfragen wende Dich / wenden Sie sich bitte an die genannten Personen. Sie sind zu erreichen über die Kontaktadressen der beiden Vereine:

IFGK, Dr. Barbara Müller, info@dr-barbara-mueller.com,
www.ifgk.de

BSV, Dr. Christine Schweitzer, schweitzer@soziale-verteidigung.de,
www.soziale-verteidigung.de